Warum ich die Bücher geschrieben habe

Vor kurzer Zeit fragte mich jemand in der Loge, warum ich mir eigentlich die Mühe gemacht habe, die beiden bisherigen Bücher zu freimaurerischen Themen zu schreiben, zumal es doch schon so viele andere Werke zum Theme gibt.

Gerade weil ich viele der Bücher gelesen habe, ist die einfache Antwort. Es gibt viele interessante Literatur, die sich mit der Freimaurerei als solcher auseinandersetzt, mit der Geschichte, den Ritualen, der Wirkungsweise. Aber viele Bücher sind alt und heute nur noch bedingt gültig, und viele zeitgenössische Werke atmen den Geist der vergangenen Freimaurerei. Einer Freimaurerei, der Wunschbild in einem selbstgefälligen Bürgertum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts stehen geblieben ist. Gerade gestern hörte ich dazu den wunderbaren Satz eines Bruders aus Hannover: "Viele Freimaurer wollen verwalten statt gestalten". Da bin ich anders, und das ist der wesentliche Antrieb. Ich komme darauf zurück.

Besonders schlecht sieht es aus meiner Sicht bei den Ratgebern in und zur Freimaurerei aus. Hier ist lange nichts erwähnenswert Neues vorgelegt worden. Die Bücher und Hefte, die zu ihrer Zeit gut gewesen sein mögen, sind längst überholt. Die Gesellschaft unterliegt einem dramatischen Wandel, die Freimaurerei muss ihn mitmachen; macht ihn auch mit, wie Logen immer mit einer gewissen Gelassenheit und Verzögerung der Zeit gefolgt sind und ihre Wertvorstellungen in die neue Zeit transportierten. Dazu braucht es gleichermaßen ermahnende wie ermunternde Stimmen, und die gibt es zum Glück, wenn manche Brüder sie auch als unbequem empfinden und sich nur zögerlich mit Veränderungen befassen.

Freimaurerei soll Akzente setzen

Freimaurerei soll sich den gesellschaftlichen Veränderungen nicht anpassen im Sinne einer opportunistischen Kompatibilität, aber sie soll doch ihre Akzente setzen, die Veränderungen mitgestalten und ihre mühsam errungenen Wertvorstellungen auch in einer dynamischen Umwelt erhalten und ausbauen. Dazu braucht es Menschen, die den Status Quo hinterfragen, den Ballast der Geschichte trennen von den sinnvollen Traditionen und die Wege aufzeigen, wie man unter geänderten Bedingungen Werte vermitteln kann.

Dem Credo der Freimaurer folgend muss die Verbesserung der Menschheit beim einzelnen Menschen und in der Loge beginnen. Insofern ist es wichtig, die Qualität der Zusammenarbeit und des Verständnisses, der Diskussionskultur, des Lernens und des Miteinander in den Logen zu verbessern. Darum bemühe ich mich darum, den Logen entsprechende Werkzeuge an die Hand zu geben.

Mein erstes Buch "Freimaurerische Bürgschaft" richtet sich primär an Mitglieder der Logen. Ich habe gesehen und gehört, dass es in fast allen Logen den Bedarf und die Bereitschaft zur Nachbesserung gibt. Es gibt viele Ansatzmöglichkeiten, mir erschien die Aufgabe des Bürgen als ein wichtiger Schlüssel, mit dem die Qualität der freimaurerischen Arbeit und Zusammenarbeit deutlich verbessert werden könnte. Dieser Ratgeber ist in den Logen sehr freundlich aufgenommen worden und wie ich höre, haben die Vorschläge zu vielen Denkprozessen geführt. Man muss nicht meiner Meinung sein, wenn ein solches Buch aber Anlass ist, Gewohnheiten zu überprüfen und Sensibilität für Verbesserungen zu entwickeln, ist das ein großer Schritt vorwärts.

Der zweite Schritt war, den Logen keine "zufällig gefundenen", sondern echte "Suchende" zuzuführen, die an sich arbeiten und sich verbessern möchten. Ich habe sehen müssen, dass viele Interessenten schwärmerische oder falsche Vorstellungen von der Freimaurerei hatten und es in zu vielen Fällen zu Aufnahmen in personell notleidenden Logen kam. Enttäuschungen, Frust und Streit in der Loge sind die Folge.

Freimaurer in 60 Minuten geht nicht

Mein Ansinnen war und ist es, mit meinem zweiten Buch "Warum gute Leute Freimaurer werden sollten. Und wie." Interessenten aufzuklären, für die Ideen der Freimaurerei zu begeistern, aber die unbedachten Schwärmer abzuhalten und diejenigen, die sich den gesamten "Menschwerdungsprozess" der Freimaurerei zu einfach vorstellen. Freimaurerei in 60 Minuten ist nicht machbar, auch nicht in Schnellkursen erlernbar, sondern bedarf ausdauernder Arbeit, die aber mit großer Lebenszufriedenheit belohnt wird. Die bisher zu diesem Thema vorliegenden Bücher erreichten nach meiner Meinung genau das Gegenteil: sie zeichnen ein nur schönes Bild von der Freimaurerei, einem hehren Menschheitsbund mit langer Traditon und barocken Logenhäusern. Die Realität ist aber anders, und auf eine gewisse Weise schöner, ehrlicher. Dieses Bild wollte ich zeichnen und Menschen trotz der Schwächen des Bundes für die Mitgliedschaft in einer Loge begeistern – weil die Stärken, wenn man sie den nutzt und einsetzt, bei Weitem überwiegen.

Als beständige Ausflucht aus der notwendigen Öffentlichkeitarbeit der Logen hörte ich immer wieder die in manchen Kreisen geradezu zum Mantra erhobene Aussagen "Qualität statt Quantität". Man wollte damit ausdrücken, dass man die öffentliche Präsenz der Logen ablehnt und lieber so weitermachen möchte, wie immer: diejenigen aufnehmen, die zufällig kommen. Seit etlichen Jahren bemühe ich mich, mit vielen anderen Brüdern, um mehr und gute Öffentlichkeitsarbeit der Logen – und es zeichnen sich unübersehbare Erfolge ab. Die Mitgliedszahlen steigen und die Logen, die sich den Veränderungen der Zeit gestellt haben, die engagiert arbeiten, haben keine Nachwuchsprobleme. Sie nehmen gute Leute auf, ohne dass sie in irgendeiner Weise die maurerischen Prinzipien und Traditionen aufgeben mussten. Im Gegenteil.

Aus diesem Grunde sind meine Bücher auch bewusst für beide Leserschaften gedacht: Das "Bürgenbuch" können auch Nichtfreimaurer beziehen, damit sie einen zukünftigen Bürgen fordern und anspornen können, damit sie wissen, was sie erwarten dürfen. Das "Interessentenbuch" ist auch für Freimaurer empfehlenswert, weil sie besser verstehen können, was Interessenten wollen und was die Loge zu bieten hat – und was nicht.